Healthy Habits

Gesunde Routinen oder doch nur gut getarnte Selbstoptimierung?

Ein kritischer Blick auf Routinen, das Nervensystem und den feinen, kleinen Unterschied zwischen „Das nährt mich“ und „Das macht mir Druck“.

Routinen sind en vogue!

Morning Routines. Abendroutinen. Biohacking. Breathwork. Journaling. Eisbaden. Ölziehen. Dankbarkeitslisten. You name it! Am besten alles – täglich, diszipliniert und bitte, bitte unbedingt vor 6 Uhr morgens, sonst ist’s fürn Arsch und du bist nicht mehr Teil des 5am Clubs. Und trotzdem höre ich in meinen Coaching Sessions sehr oft denselben Satz: „Ich mache alle meine Routinen – aber ich fühle mich trotzdem leer, müde, irgendwie ausgelaugt.“

Paradox? Nope. Gar nicht! Denn die entscheidende Frage ist nicht: Hast du Routinen? Sondern: Aus welcher inneren Haltung heraus lebst du sie?

 Sorry not sorry, aber: Routinen sind leider nicht per se healthy. Das ist vielleicht unbequem zu hören und komplett gegen den Mainstream – aber wichtig. Denn nicht jede Routine ist automatisch nährend. Nicht alles, was nach Selfcare aussieht, ist auch Selfcare. Manche Routinen entstehen nicht aus Selbstfürsorge, sondern aus einem inneren Antreiber. Dieser Anteil in uns, der subtil die Peitsche schwingt und Bootcamp artig brüllt:  „Du musst mehr machen.“ „Das reicht nicht.“ „Andere kriegen das doch auch hin.“ „Warum stellst du dich so an.“ „Du kannst nie etwas durchziehen.“ „Du bist zu faul, zu schwach, zu undiszipliniert…“ Zu dies zu das…Ananas.

 Congrats! And welcome in der Selbstoptimierungsfalle, die sich geschickt, als healthy Habbit tarnt. Aber dein Nervensystem lässt sich nicht so einfach täuschen und dein Körper lügt nie. Eine meiner Klientinnen brachte es in einer Session sehr klar auf den Punkt. Immer dann, wenn Routinen nicht möglich waren oder sich veränderten, machte sich innere Unruhe breit, gepaart mit unangenehmen körperlichen Gefühlen wie ein Ziehen im Bauch und Unsicherheit. Das war kein „Mindset-Problem“. Das war ihr Nervensystem, das sagte: „Hier fehlt gerade was. Hier fehlt Sicherheit. Halt. Echte Verbindung. Hier stimmt was nicht. Das fühlt sich nicht stimmig an.“ Ein wichtiger Perspektivwechsel: Wenn dich deine Routinen eher stressen als regulieren, dich mehr anspannen als erden, dich auslaugen statt nähren – dann liegt das Problem nicht bei dir. Dann sind die Routinen schlicht nicht in Beziehung mit deinem Nervensystem aka aligned.

Der schmale Grat: Selbstoptimierung vs. Healthy Habbits.

Der Unterschied liegt nicht im Was, sondern im Warum.

Selbstoptimierung fragt:
– Was muss ich noch tun, um besser zu werden?
– Wie optimiere ich mich weiter?
– Wie halte ich das Level?

 Gesunde Routinen fragen:
– Was brauche ich heute wirklich?
– Was gibt mir Sicherheit, Halt? Was nährt mich?
– Was bringt mich zurück in Kontakt mit mir?

 Selbstoptimierung ist oft starr. Gesunde Routinen sind elastisch. Selbstoptimierung funktioniert über Durchziehen. Gesunde Routinen sind Flexibilität. Selbstoptimierung lebt von Druck. Gesunde Routinen entstehen aus echter Verbindung. Ein Satz, den ich im Coaching immer wieder sage – und den man sich als kleinen Reminder immer mal wieder ranziehen darf:  Du dienst nicht deinen Routinen. Deine Routinen dürfen dir dienen.

 Denn Routinen sind kein To-Do-System für ein besseres Ich in der Zukunft. Sie sind ein Anker im Jetzt. Ein gesundes Fundament bedeutet nicht, jeden Tag alles gleich zu machen. Es bedeutet, etwas zu haben, zu dem du zurückkehren kannst, wenn es laut wird. Wenn es wackelt. Wenn das Leben unbequem wird. Und ja: Manchmal ist die nährendste Routine einfach eine Tasse Tee in der Sonne zu genießen. Oder ein kurzer „Check-In“ bei dem man sich ganz ehrlich fragt: „Wie geht’s mir heute eigentlich? Was brauche ich?“  Ein Spaziergang im Wald der dein Nervensystem reguliert. Oder auch einfach mal Pause zu machen und nichts zu tun. Was sehr, sehr vielen von uns in unserer „always on Gesellschaft“ ziemlich schwerfällt.

 Spiritualität darf weich sein & alltagstauglich

Wenn jemand genau mit dieser Thematik zu mir kommt und ein Spiritual Life Coaching bucht, geht es für mich nicht darum, noch mehr zu machen, sondern nachhaltige Routinen und Praktiken zu finden, die alltagstauglich sind, elastisch, wandelbar und sich dir kreativ anpassen und nicht umgekehrt.  Denn es geht darum eine echte, ganzheitliche (holistische) Beziehung zu sich aufzubauen, die deep ist und nicht oberflächlich und alle Anteile in dir Body, Spirit, Mind gleichermaßen abholt. Denn Spiritualität, die dich antreibt statt hält, die dich bewertet statt begleitet, die dich von dir entfernt statt näherbringt, verfehlt ihren Kern komplett. Gesunde Routinen & moderne Spiritualität dürfen spielerisch sein und voller Leichtigkeit.

Vielleicht ist das die wichtigste Frage…. Nicht: Welche Routinen sollte ich haben? Sondern: Fühlen sich meine Routinen nach Beziehung an – oder nach Pflicht? Nach Wollen oder Müssen? Wenn du magst, begleite ich dich super gerne genau bei dieser ehrlichen Auseinandersetzung. Dabei, Routinen zu entwickeln, die dich wirklich nähren und dich nachhaltig tragen – nicht nur in guten Zeiten, sondern vor allem auch dann, wenn es herausfordernd wird.

 In diesem Sinne glg & Namasté d‘Manu 

Weiter
Weiter

The Story Behind.